DMAA Portfolio Refurbishment 02

REFURBISHMENT

"The Better Self”

Was gewinnen wir tatsächlich, wenn wir Bestand erhalten? Patina, Oberflächen oder ein Dekor, eine Form oder eine Materialität? Bedeutet der physische Erhalt einer historischen Fassade die Kontinuität von Stadt oder nur die Erstarrung eines Stadtbildes? Und steht dahinter irgendeine Form von Nachhaltigkeit?

DMAA hinterfragt diese klassische Aufgabenstellung der Architektur und gelangt dadurch zu kontroversen, und jedenfalls zeitgenössischen Antworten. Analog zur Entwicklung des Begriffs der Stadt entwickelt sich auch das Verständnis vom Bauen im Bestand als Ausdruck einer kulturellen Positionierung in der Zeit. Der klassische Antagonismus zwischen Alt und Neu ist lange überwunden und DMAA bricht mit einer investigativen Entwurfsmethodik auf zu neuen Formen des Dialogs zwischen Alt und Neu.

In der obsessiven Auseinandersetzung mit Ort und Kontext erweitert DMAA das Bestandsbewusstsein vom Stadtbild immer wieder, überlagert durch Sehgewohnheiten und Verklärungen, hin zum inhärenten Bestand von konstruktiven, gestalterischen und historischen Ideen und Strukturen. Nicht die Patina oder die oft sehr zeitgebundenen Details einer Fassade manifestieren den eigentlichen Wert, sondern die innere Logik eines Tragwerks oder die Materialität und Ästhetik einer Struktur.

Schließlich öffnet DMAA durch diese vertieften Befragungen auch den Fundus des gesamten Entwurfsprozesses. Radikale Ideen oder stringente Lösungen finden wieder zurück, die im einstigen Umsetzungsprozess oder durch spätere Überbauungen verloren gingen. „The Better Self“ und sein historisches und symbolisches Kapital stehen in einem erweiterten Bestandsbegriff plötzlich wieder zur Disposition.

DMAA: Herausforderung Refurbishment -
vier zeitgenössische Antworten

STAATSTHEATER KARLSRUHE
Karlsruhe, Deutschland

In Erstellung
Planungsstart 2014
Fertigstellung 2032 (est.)

ALTHAN QUARTIER AQ1 FRANCIS
Wien, Österreich

In Erstellung
Planungsstart 2016
Fertigstellung Ende 2024

KELLOGG'S ÜBERSEEINSEL BREMEN
Bremen, Deutschland

In Erstellung
Planungsstart 2018
Fertigstellung 07/2024

EXPO CULTURAL PARK GREENHOUSE GARDEN
Shanghai, China

In Erstellung
Planungsstart 2019
Fertigstellung 10/2024


Vor Ort - In der Zeit

Bauen im Bestand bedeutet Bauen in der Zeit. Während Neubauten Räume schaffen, generiert Bauen im Bestand immer auch eine Auseinandersetzung mit Zeit und Geschichte. Ein Diskurs entsteht, der sich nicht nur um bauliche Substanz dreht. Es entsteht vielmehr ein Dialog mit inhärenten Konzepten, mit historischen Ideen und Entwurfsentscheidungen, mit Phänomenen der Alterung sowie den Spuren, die Menschen an ihrer gebauten Umwelt hinterlassen haben. Dieser Zugang verändert auch den Blick auf die Zeitlichkeit und Wahrnehmung der eigenen Architektur.

„Macht man sich einmal bewusst, dass jeder Entwurfsprozess eine Entscheidungsreihe darstellt, [...], so macht es keinen wesentlichen Unterschied, ob die früheren Entscheidungen eigene oder fremde waren.“
- Hermann Czech, Der Umbau, 1989


Dieser Zugang steht mittlerweile auch vor dem Hintergrund eines allgemeinen Paradigmenwechsels, in dem Bauwerke nicht mehr als statische Resultate, sondern als Momentaufnahme einer Nutzungsgeschichte gesehen werden, eingebettet in einen Kreislauf von Ressourcen. Architektur verortet sich in den großen aktuellen Herausforderungen und Krisen gerade neu.

Dieser Paradigmenwechsel betrifft auch die breite Rezeption und die Erzählung von Architektur. Das Faktische, sinnlich Wahrnehmbare wird ergänzt durch Beschreibungen von Prozessen und zeitlichen Abläufen. Das Davor und Danach eines Gebäudes wird Teil seiner architektonischen Realität.

Die Anforderungen unserer Zeit werden nicht nur an Bauwerke, sondern auch an deren baulichen und urbanen Kontext gestellt. Welche Antworten können wir erwarten? Stehen wir vor hermetischen Architekturobjekten, die in ihrer gestalterischen Logik gefangen scheinen? Oder erfahren wir etwas über aktuelle Potentiale von Architektur und finden Lösungen, die zu neuen öffentlichen Räumen und der Umsetzung nachhaltiger Technologien führen?


Entwurfsmethodik im Umbau – Das Kriterium Architektur

Betrachtet man die Architektur von DMAA, drängen sich vordergründig nicht etwa Typologien des Umbaus auf. Die selbstbewussten Baukörper sowie dynamischen Formen und Strukturen sind in der Ästhetik frei von schwerfälligen Alt-Neu-Kontrasten und Antagonismen. Bei genauerer Auseinandersetzung kristallisiert sich an diesem Punkt das Architekturverständnis von DMAA und deren Entwurfsmethodik auf besondere Weise heraus. Im Anspruch einen Ort, seinen baulichen Bestand, aber auch seinen Atem möglichst vielschichtig zu erfassen, bilden der direkte Kontakt und die körperliche Erfahrung von Architektur einen zentralen Ausgangspunkt des Entwurfsprozesses.

Das Architekturstudio zeigt Respekt vor dem Topos, vor dem Ort und dem Bestand. Sensibilität für die Bewegungen des menschlichen Körpers und die Energien des Raumes fließen in ausgedehnte Entwurfsprozesse ein.

Letztlich sind es sehr differenzierte, räumliche Interventionen, die in einem Gesamtwerk von formal doch unterschiedlichen Bauwerken Anwendung finden. Die unmittelbare Wirkungsabsicht dieser Interventionen geht weit über eine bloße Zeichenhaftigkeit hinaus. Die Bauwerke von DMAA sind keine Objekte, die sich aus der reinen Ansicht erschließen. Vielmehr braucht es die Bewegung durch den Raum, um jene Dramaturgie zu erfahren, die im Zentrum der Entwurfsarbeit steht.

In diese Entstehungsprozesse gliedert sich der Umgang mit Bestandsbauten selbstverständlich ein. Die Physis des Bestands, aber auch dessen ideelle Konzepte sind nur weitere Vektoren im geistigen Gravitationsfeld eines Entwurfs. Darin werden Bewegungen und Raumbildungen erprobt, verworfen, ausgefeilt. DMAA spricht dabei von „Imaginationen“, die als räumliche Hypothesen in diese Felder aus Funktionen, Vorgaben, Ideen geschickt werden. Die Kraft und Schlüssigkeit der dabei entstehenden architektonischen Qualitäten sind letztlich das wesentliche Kriterium. Die aus dem Bestand freigelegten Entscheidungsreihen setzen sich in den Ideen, Ergänzungen und Neugewichtungen des Entwurfsprozesses fort.

Die Bedeutung und Substanz der historischen Stahlkonstruktion im Expo Greenhouse Garden in Shanghai wurden bewusst ins Spiel gebracht. Durch die Intervention der Wegführungen in und zwischen den Glashäusern wurden neue Qualitäten erzeugt. Die Gesamtidee lässt den Bestand weit hinter sich, hätte aber zugleich auch nie ohne ihn entstehen können.

In gleicher Weise sieht man der Fassadengestaltung des Althan Quartiers den Bestandsbau nur mehr andeutungsweise an. In einem, vor allem durch äußere Einflüsse, überaus komplexen Entstehungsprozess war es vor allem die innere Struktur, die erhalten wurde. Deren materielle Präsenz und die Sichtbarkeit des vorhandenen Stahlbetonskeletts generieren eine gestalterische Spannung, die sich nicht auf einen Blick, sondern nur in der Begehung erschließen.

Die vielfachen Ebenen des Refurbishments

DMAA stellt systematisch Grundlegendes in Frage, um strukturelle Varianten und Lösungen zu entwickeln. Bestand wird auf unterschiedlichen Ebenen analysiert und liefert dadurch ein breites Spektrum architektonischer Strategien, immer mit dem Ziel die architektonische und räumliche Qualität des Ortes zu steigern.

Zum einen geht der Erhalt von Substanz und Material vom Anspruch eines nachhaltigen Umgangs mit Ressourcen aus. Zugleich ist eine bestehende Bausubstanz auch Träger von historischen Ideen und technischen Lösungen. Strukturelle und konstruktive Intelligenz freizulegen und neu zu nutzen, bietet die Möglichkeit vorhandene Qualitäten im Sinne des aktuellen Bedarfs zu bewahren und idealerweise zu steigern. Der Begriff des Weiterbauens erfährt hier eine zeitgemäße Erweiterung.

Schließlich bedeutet Umbau auch eine komplexe Form des geistigen Dialogs. Bestand wird zum Partner im Entwurfsprozess. Damit geht DMAA über alte Dogmen der Ablesbarkeit und Kontrastierung von Alt und Neu hinaus und bewegt sich mit der Lust an neuen Lösungswegen hin zu einem Bauen im Bestand, welches den Bestand zur Grundlage von etwas Neuem, von Mehrwert und einem umfassenden Qualitätsbegriff macht, der schließlich die Aufhebung dieser Unterscheidungen bedeutet.

Die Überformungen an Projekten wie dem Althan Quartier oder dem Kellogg‘s Areal in Bremen verleihen dem Bestand eine Aktualität. Sie stellen zugleich seine Zeitlosigkeit und Radikalität Seite an Seite mit zeitgenössischen Interventionen.

Geschichte und Zukunft

„Geschichte ist uns nicht gegeben, sondern aufgegeben. Geschichte deckt sich daher nicht einfach mit »Geschehenem«. Geschichte entsteht erst, wenn etwas zu den Ereignissen hinzukommt, nämlich wir. Ereignis ist, was in unseren Geist eingegangen ist. An dieser Skala allein mißt sich die historische Wahrheit.“
- Egon Friedell, Kulturgeschichte des Altertums


So selbstverständlich und logisch Hermann Czech Architektur als Resultat von historischen und aktuellen Entscheidungsreihen beschreibt, so sehr darf nicht vergessen werden, dass die Entscheidung mit Bestand zu arbeiten eine kulturelle Leistung ist. Gerade der Aufbruch aus der geschichtsfernen Epoche der Moderne und aus der schönen neuen Welt ihrer technischen Erfindungen bedeutet einen bewussten und grundlegenden Schritt, mit dem wir uns im Friedell‘schen Sinne der Geschichte stellen und sie dadurch erst generieren. DMAA integriert dieses Bekenntnis in ein System dramaturgischer Bewegungen und schickt das Publikum der Architektur darin auf die Reise.


Badisches Staatstheater
Karlsruhe, Deutschland

© ZOOM VP

Befreiungsschlag einer Idee

Der vor rund 60 Jahren vom Karlsruher Architekten Heinrich Bätzner, Schüler von Rolf Gutbrod, gestaltete Wettbewerbsentwurf überzeugte durch seine Dachlandschaft, die sich über den beiden offenen Foyerebenen sowie zwei Bühnentürmen aufspannte. Bereits in der 10 Jahre später erfolgten Umsetzung reduzierten geschlossene Brüstungen und funktionale Einbauten diese Idee zu einer hermetischeren Ausdrucksform.

Nach 40 Betriebsjahren wurde der Aktualisierungsbedarf des Bestandes im Inneren für technische Anlagen, barrierefreie Zugänglichkeit und geforderte Arbeits- und Sicherheitsstandards immer dringlicher. Hinzu kamen veränderte Ansprüche aus dem aktuellen Spielbetrieb eines Mehrspartentheaters im kulturellen Netzwerk des heutigen Karlsruhes mit seinen quer über die Stadt verteilten Werkstätten und Proberäumen. Der fundierte Entwurf von DMAA löste diese komplexen Konflikte mit einer entschlossenen Neuinterpretation der ursprünglichen architektonischen Motive.

Den beiden Hauptspielstätten wurden mehrere öffentlich zugängliche Klein- und Probebühnen angeschlossen sowie eine durchdachte Logistik von Backstage und Serviceflächen erarbeitet. Sensibel verzahnt der Solitär das eindrucksvoll erweiterte Ensemble in mehrere baulichen Entwicklungsrichtungen mit den Baulinien der Stadt und nimmt auf die jeweilige Randbebauung Bezug.

Das markante Motiv der Zeltlandschaft mit zwei Bühnentürmen erfährt eine subtile, aber im Ausdruck schlüssige Kodierung. Durch eine neu geschaffene, durchgehende Dachkante, die den gesamten Komplex umschreibt, endet dieser große Überzug als frei hängender „Bühnenvorhang“. Durch seine ungleichen Längen entstehen aus den verschiedenen Foyerbereichen somit Bühnen zum Vorplatz situiert.

Dieser neu projektierter Theatervorplatz mit Grüninseln und Wasserfläche verbindet aus unterschiedlichen Richtungen das Äußere mit dem Inneren des Gebäudes. Eine großzügige Freitreppe führt den Vorplatz hoch auf die obere Ebene des Foyers, wo die Besucher zu Gastronomieflächen und Aussichtsterrassen gelangen. Die Textur der bestehenden Fassadenelemente wird zum raumgreifenden Motiv und eint mit ihrem textilen Charakter das Theater mit seiner alten und neuen Architektur. Den ungewollten Antagonismus von Baukörper und Park verwandelt DMAA so in einen integralen Fluss von Außen- und Innenräumen, der das Staatstheater zur Stadt hin inszeniert.

competition model Helmut Bätzner

Competition model by DMAA

Helmut Bätzner

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314 Staatstheater Karlsruhe BAST Sanierung 08 07 22 AKO 042

© Arno Kohlem

314 Staatstheater Karlsruhe BAST Sanierung 14 10 21 AKO 0100

© Arno Kohlem

314 Staatstheater Karlsruhe BAST Sanierung 14 10 21 AKO 0084

© Arno Kohlem

314 Staatstheater Karlsruhe 2306 4650 cut

© ZOOM VP

Das markante Motiv der Zeltlandschaft mit zwei Bühnentürmen erfährt eine subtile, aber im Ausdruck schlüssige Kodierung.

mehr über das Staatstheater Karlsruhe


Althan Quartier AQ1 Francis
Wien, Österreich

© Outline Pictures / WOOW Studio

Vom Gartenpalais zum Portal der Stadt

Vom herrschaftlichen Palais über einen prächtigen Bahnhof, bis hin zum introvertierten Rechenzentrum einer Bank und wieder zum öffentlichen Raum eines multifunktionalen Quartierszentrum.

Der einladende Gestus, mit dem sich die Gebäudeformation des Kopfbahnhofs mit vielfältig genutzten Büro- und Wohnflächen zum Vorplatz öffnet, hat eine interessante Genese, die bis ins 17. Jahrhundert zurückreicht. Die Urheberschaft dafür liegt bei einer illustren Reihe von Gestaltern, die diesen Knotenpunkt und ihre markante Formation im Gefüge dieses Wiener Stadtquartiers immer wieder aufleben ließen. Dabei zeigten sie genau jene Sensibilität für diesen Ort, die auch DMAA beim aktuellen Umbau bewahrt. 1693 entstand an dieser Stelle ein zweigeschossiges Gartenpalais des, heute wieder namensgebenden, Grafen Christoph Johann Althan und zwar nach dem Entwurf von niemand geringerem als Johann Bernhard Fischer von Erlach. Um einen Mittelsaal wurden zwei sich zum Vorplatz sanft schließende Seitenflügel angeordnet. Diese einladende Geste ging 1893 mit dem gründerzeitlichen, aber wenig einfallsreichen Neubau des Kopfbahnhofs der Verbindung Wien-Prag verloren. Erst Architekt Karl Schwanzer hatte mit dem im Jahr 1978 fertig gestellten Neubau diese historische Idee wieder aufgegriffen, die in der 2016-2024 geplanten Umgestaltung von DMAA fortgeführt wird und ganz wesentlich zur städtebaulichen Öffnung dieses Gebäudekomplexes beiträgt.

Die zu ebener Erde geführte Eisenbahnlinie hatte das Straßennetz nachhaltig durchschnitten und eine bis heute bestehende Herausforderung geschaffen. Der hermetische Ausdruck des bislang vollverspiegelten Bestandsgebäudes und die übermächtige Freitreppe zu den Bank- und Büroflächen über den Gleisen hatten den Bahnhof mehr als marginalisiert. Die Neugestaltung verleiht dem Gebäude durch die geschossweise Gliederung wieder die Maßstäblichkeit seiner Umgebung, interpretiert die ursprüngliche Plastizität neu und markiert gut ablesbar eine Baukörperfolge.

Zum Vorplatz öffnet es sich nun mit einer breiten zentralen Bahnhofshalle. DMAA führt so nicht nur wieder eine vertraute Typologie ein, sondern entwickelt mit einer eingehängten Stadtterrasse und tiefen Einblicken ins Gebäude einen stadträumlichen Bezug zu einem Quartierszentrum rund um einen Verkehrsknotenpunkt. Der Niveausprung auf die Plaza über den Gleisen generiert einen weiteren Angelpunkt und verbindet fußläufig die zuvor abgeschotteten Stadtgebiete zu beiden Seiten der Bahn.

Im ausgedehnten Planungsprozess, in dem auch frühe Ideen von Karl Schwanzer mit vier turmartigen Hochbauten geprüft wurden, brachte schließlich eine Analyse der ökologischen Gesamtbilanz über den gesamten Lebenszyklus die Wende. Für einen Umbau wurde ein um 67% geringerer CO² Ausstoß im Vergleich zu einem Neubau prognostiziert. Grund genug, die Strategien nicht nur auf den Erhalt von Bausubstanz, sondern auch auf die große räumliche Qualität und Flexibilität dieser, im Geist der Spätmoderne, modular entwickelten Struktur zu setzen.

Der Erhalt und die Freilegung des konstruktiven Stahlbetonrasters würdigt nicht nur eine gestalterisch-technische Leistung, sondern folgt dem Bestreben zu nachhaltiger Kontinuität. Dank der konstruktiven Logik der Betonfertig­teildecken, konnten zwei weitere Lichthöfe im Bestand geöffnet werden, die für zusätzliche Belichtung innenliegender Nutzflächen sorgen.

Die erwünschte Nachverdichtung erfolgt mittels einer zweigeschossigen Aufstockung, die sich durch ihre Staffelung fast unmerklich in die Physiognomie des bestehenden Stadtkörpers einschreibt.

The existing Althan Quartier, designed by Karl Schwanzer

Die Neugestaltung verleiht dem Gebäude durch die geschossweise Gliederung wieder die Maßstäblichkeit seiner Umgebung, interpretiert die ursprüngliche Plastizität neu und markiert gut ablesbar eine Baukörperfolge.

©6B47

©6B47

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411 DMAA AQ 2304 033b
411 AQ Baudoku Francis 6 B47 88

©6B47

411 DMAA AQ 2304 031b
411 DMAA AQ 2304 020b
411 AQ Baudoku Francis 6 B47 39

©6B47

411 AQ 609 cut

Mehr zum Althan Quartier


Kellogg's Überseeinsel
Bremen, Deutschland

Hafen ist Wandel

Bremen ist Wandel. Im Hafen der Hansestadt Bremen scheint trotz tausendjähriger Geschichte der betriebsame Wandel das einzig Beständige. Versandung und Aushub, immer gigantischere Frachtschiffe und neue Logistik erforderten laufend große Eingriffe in die Stadtlandschaft. Hier befand sich der Landungspunkt der amerikanischen Alliierten, hier war der Umschlagplatz internationaler Waren und des deutschen Exportbooms. Bremens Reichtum liegt am Wasser und nachdem die profitablen Hafenanlagen meerwärts ziehen mussten, rückte Bremen nach. Jetzt schafft das Wasser eine attraktive Waterfront für Siedlungs- und Entwicklungsgebiete, die gerade von Touristen, Bewohnern und einer Vielzahl von Dienstleistungen besiedelt werden.

Ganz im Westen Bremens, auf dem Gebiet des ehemaligen Überseehafens, wurden 2003 riesige Hafenbecken zugeschüttet. Diese verwandeln die knapp 300 Hektar Hafenanlagen in den neuen Stadtteil „Überseestadt“, eines der größten Entwicklungsgebiete Europas. Im direkten Anschluss zur Bremer Innenstadt entsteht noch davor auf einer rund 40 Hektar großen Landzunge an der Südseite des Europahafens ein weiteres Stadtquartier: die Überseeinsel.

Auf dem ehemaligen Werksgelände der Firma Kellogg‘s entwickelt sich seit 2017 eine besonders breite Mischung aus Wohnen, Gewerbe, Büro und Freizeitflächen, die innovative Konzepte und hohe ökologische Ansprüche vereint. Auch hier herrschen großer Maßstab, viele Ideen und eine laute, aber pragmatische Aufbruchsstimmung.

DMAA verwandelt das ehemalige Reislager sowie das Silogebäude in das geplante Zentrum des Quartiers. Direkt am Wasser gelegen spannen der markante Hotelturm und eine durchgängige Markthalle dazu attraktive Platzfolgen auf. Die Markthalle setzt zeitgemäß auf regionalen und saisonalen Einzelhandel. Die Kubatur darüber teilen sich drei Bürogeschosse, in die ein zentrales Atrium eingeschnitten wurde. Das benachbarte Silogebäude, einst Lager für Mais und Vitaminstoffe, wird zu einem Hotel mit angeschlossenem Restaurant und zu Flächen für Konferenzen.

Zeichen sind hier wertvoller Bestand. Unter dem alten riesigen Logo erhebt sich die Kontur der beiden charakteristischen 40 Meter hohen Silos, die nun mit Hotelzimmern befüllt wurden. Im sechsgeschossigen Speicher werden die überhohen Hallen für Büroräume und Konferenzen genutzt. Gastronomie und Hotellobby stellen eine räumliche Verbindung zum Außenbereich dar.

Die spektakuläre Verwandlung vom Speicher zu Zimmern gelang, indem Fensteröffnungen in die Betonringe eingeschnitten wurden, deren markant schmale Schlitze in unterschiedlichen Höhen Aussicht gewähren.

Nur das Reislager nebenan hielt als Zeichen stand. In der alten Kontur wurden vier Geschosse neu errichtet und mit sorgsam abgetragenen Wandstücken aus altem Klinker wieder ausgefacht. Silos und Reishalle verfügen über ein vielfältiges gastronomisches Angebot im Erdgeschoss, einen Bio-Supermarkt, eine eigene Brauerei und weitläufige Terrassen an der Weser. Eine Tiefgarage nimmt alle Besucher auf, die nicht öffentlich oder mit dem Rad kommen. Der oberirdische Verkehr ist für die Anlieferung erlaubt, auch um den geschäftigen Charakter des ehemaligen Betriebsgeländes fortzuführen.

Die spektakuläre Verwandlung vom Speicher zu Zimmern gelang, indem Fensteröffnungen in die Betonringe eingeschnitten wurden, deren markant schmale Schlitze in unterschiedlichen Höhen Aussicht gewähren.

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414 Bremen Kelloggs dm vis 002a
414 dm vis 004 b
414 Bremen Kelloggs dm vis 003a
414 Bremen Kelloggs dm vis 003b

Feb 2021 © Dr. Andreas Mueller

© Dr. Andreas Mueller

© Dr. Andreas Mueller

© Dr. Andreas Mueller

© Dr. Andreas Mueller

© Überseeinsel


Expo Cultural Park Greenhouse Garden, Shanghai, China

Better City, better Life

Vier Glaspavillons im Expo Cultural Garden inszenieren Naturräume in einer Nachnutzung der Weltausstellung 2010, die sich, aktueller denn je, mit Prototypen zu einer besseren und nachhaltigeren Zukunft in urbanen Lebensräumen auseinandersetzte.

Das Projekt beruht auf Gegensätzen und deren Grenzen. Ausgehend vom Antagonismus von Technik und Natur findet sich das Projekt durch seinen Standort und die Herausforderungen unserer Zeit in einem Kontext drastischer Spannungsfelder wieder. Shanghai, ein jahrhundertealter Knotenpunkt des internationalen und kolonialen Handels am Brückenkopf vom ostchinesischen Festland zu japanischen und koreanischen Territorien, war immer wieder Bühne für technische und kulturelle Erkundungen des Machbaren.

Die Megacity Shanghai mit 23 Millionen Menschen ist für China Kristallisationspunkt urbaner und internationaler Entwicklungen. Schon zu Beginn der kommunistischen Ära 1949 und abermals nach der Öffnung mit der Kulturrevolution Mao Zedongs um 1980 erlebte die Stadt extreme wirtschaftliche und bauliche Expansion.

Einen Höhepunkt fand das Areal mit der Expo 2010, welche erst in den 1990er Jahren von der schütter besiedelten und industriell genutzten Vorstadt Pudong zu einer der spektakulärsten Hochhaus-Skylines Asiens wandelte. Alle Bauten und landschaftlichen Elemente dieses riesigen innerstädtischen Parks, direkt gegenüber der Innenstadt, sind neu angelegt und lösen wiederum die gigantischen Überformungen der Weltausstellung mit 528 Hektar an temporären Länderpavillons ab.

Shanghai ist von den Folgen des uneingeschränkten Wachstums und des Klimawandels unmittelbar bedroht. Angesichts beißenden Smogs, Wasserknappheit und Temperaturanstieg sucht die Führung des Landes in radikalen und großmaßstäblichen Schritten nach Lösungen. Diese sollen nicht nur Lebensräume retten, sondern auch die technologischen und wirtschaftlichen Energien Chinas zukunftsfähig vorantreiben. Hatte die Weltmacht Großbritannien 1857 seine koloniale Vormachtstellung noch enzyklopädisch und mit raffiniertester Ingenieurskunst im Crystal Palace zur Schau gestellt, so inszeniert Shanghai heute in elegischer Ästhetik die Schönheit jener Ökosysteme, die gerade auseinanderzubrechen drohen.

Das Projekt trifft auf hohe Ansprüche. Die vorhandene Stahlkonstruktion wird zum Ausgangspunkt einer entwerferischen Reise, welche verschiedene Naturräume in Glaspavillons in Szene setzt. Ausgehend vom gedanklichen und geometrischen Antagonismus von Kreis und Gerade werden diese Räume in tänzerischem Fluss erschlossen. DMAA schaffen gläserne, mäandrierende Hüllen, die Bewegung und Beweglichkeit vermitteln, um drei unterschiedliche Biotope zu veranschaulichen. Ein weiterer gestalterischer Parameter sind Hebungen und Senkungen der Landschaftsoberflächen, die nicht nur Gelände modulieren, sondern Sphären schaffen, die das Erleben von Luftigkeit und Höhe kontrastieren.

Ein vierter, verspiegelter Mäander bringt sich als Eingangsgebäude in Stellung. Zwischen diesen vier Pavillons erstreckt sich unter der bestehenden Stahlkonstruktion ein weitläufiger Erschließungsbereich, der sich mit dem angrenzenden Naturraum verbindet. Durch alle Niveaus und Pavillons schlingt sich die Wegführung bis auf eingehängte Aussichtsplattformen.

Das eigentliche Instrument zur Raumerfahrung ist aber das Gehen. Kein museales Schlendern durch Innenräume, sondern ein Begehen von Wegschleifen, die sich über die geschaffenen Landschaften ziehen, immer wieder abheben und die Besucher frei durch alle Dimension des Raums bewegen. DMAA entfaltet hier in größter Freiheit seine Leidenschaft, Menschen in eine gezielte Wechselwirkung mit gebauter Substanz zu bringen, sie in jeder Hinsicht zu bewegen. Gläserne Brüstungen exponieren die Besucher, sanfte Neigungen beschleunigen oder dämpfen ihre Schritte und in unterirdischen Bereichen verwandeln sich Licht und Offenheit zu etwas Bergendem.

Eingefasst in einen Sockel gewinnen die großzügigen gläsernen Räume weiter an Kraft, indem sich ihre Enden aus dem Terrain erheben. Ein frei geformter See, sowie eine ausgedehnte Parklandschaft entstehen rund um die Glashäuser und setzen die Kontemplation über die Grenzen von Natürlichkeit fort.

Eine Vielzahl an technischen Lösungen war notwendig, um dieser Inszenierung ihre Leichtigkeit zu verleihen. Für ausreichende Belichtung der Pflanzen sorgen spezielle Einfachverglasungen und die Pavillons wurden aus demselben Grund von einem Cluster an kreisrunden Deckenverglasungen überzogen, die durch ein Raster graziler Stahlprofile getragen werden.

Um all diese Randbedingungen auch ökologisch nachhaltig erfüllen zu können, wurden für die Grundversorgung von Kühlung und Heizung ausgedehnte Photovoltaikflächen installiert. Um diese unsichtbar zu halten, trafen sich Technik, Natur und Poesie in einem unerwarteten Einfall. 10.000 m² Solarpaneelen wurden einfach wenige Zentimeter unter der Wasseroberfläche des Sees installiert. Lao Tse beschreibt im Tao Te King die Kraft und zugleich die Weichheit des Wassers, welches schützt und verbirgt und doch die Kraft der Sonne einfach ungehindert passieren lässt.

Ausgehend vom Antagonismus von Technik und Natur findet sich das Projekt durch seinen Standort und die Herausforderungen unserer Zeit in einem Kontext drastischer Spannungsfelder wieder.

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420 DMAA Expo Cultural Park Greenhouse Garden construction site 2303 0233
420 DMAA Expo Cultural Park Greenhouse Garden construction site 2305 3094 cut
420 DMAA Expo Cultural Park Greenhouse Garden construction site 2303 0268
420 DMAA Expo Cultural Park Greenhouse Garden construction site 2303 0225a

Construction Site
May 2023

© Bollinger + Grohmann


Conclusio

DMAA ist davon überzeugt, dass die Architektur in den kommenden Jahren und Jahrzehnten neue und intensivere Wege finden muss, um sich mit Fragen wie der Beziehung zum bestehenden Erbe, der Qualität von Außenräumen und

Konzepten der Kreislaufwirtschaft auseinanderzusetzen - in der Hoffnung, dass die Dringlichkeit der Situation uns alle ermutigt, voneinander zu lernen.


Mehr von DMAA:

 

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communication@dmaa.at
T: +43 (0)1 585 36 90 12

Impressum

Delugan Meissl Associated Architects
Text, imagery and diagrams, DMAA © 2024
Copy: Robert Fabach

Alle Inhalte dieses Dokument sind durch das Urheberrecht seines Autors DMAA geschützt und müssen im Verwendungsfall entsprechend angegeben werden.


Architekturbüro Delugan Meissl Associated Architects - DMAA
Mittersteig 13/4
1040 Wien, Österreich